Runter vom Baum oder: Die Frau muss mein Bruder werden!

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Zeitschriften für richtige Männer

Lesezeit: 8 Min.

Auch wenn das Thema #metoo bei uns in Deutschland so langsam abgefrühstückt ist: Weltweit brodeln die Frauenseelen weiter und natürlich haben sie immer noch absolut Recht. Sexismus und Gewalt gegen Frauen sind ein absolutes No-Go! Es ist wirklich beschämend, wie im 21. Jahrhundert oftmals noch mit dem – auch so was – „schwachen Geschlecht“ umgegangen wird. Da bin ich absolut bei euch, Ladies!

Der gemeine Neandertaler mag mir jetzt vorwerfen, ich sei eben auch so ein verweichlichter und überfeminisierter Hipster. Klar, mach’ ruhig! Aber Spoiler oder Breitreifen machen halt auch noch keine richtigen Männer aus. Ganz im Gegenteil!

Was genau soll das denn jetzt werden?

Eigentlich wollte ich hiermit endlich mal zum Punkt kommen und euch erklären, warum mir die Rubrik What’s life? besonders am Herzen liegt. Denn sie spiegelt im Grunde genommen mein gesamtes Leben, meine Erfahrungen, Ansichten und Gefühle, mein Ich wieder. All das, was ich meinem kleinen Tom einmal weitergeben werde, um ihn auf sein eigenes Leben vorzubereiten.

Es geht mir in dieser Rubrik um das Leben an sich und um den Sinn dahinter. Es geht mir um die unterschiedlichsten Erfahrungen von den verschiedensten Menschen mit den widersprüchlichsten Meinungen. Was bewegt sie? Was macht sie glücklich, wütend oder lässt sie verzweifeln? Oder einfacher gesagt: Es geht um die gesamte Vielfalt des Lebens.

Dass #metoo derzeit so topaktuell ist, kommt mir dabei ziemlich gelegen, denn das Thema Gewalt und Sexismus hat, wie kaum ein anderes, mit dem grundsätzlichsten Menschsein an sich zu tun. Und deshalb fange ich auch bei Null an.

Back to the roots

Erinnert ihr euch? Es noch gar nicht sooo lange her, da war der Mensch zwar noch sehr viel dümmer als heute, dafür aber umso behaarter. Und dann beschloss er kurzerhand, von seinem Baum zu steigen. Das primitive Leben am Boden kannte damals weder Burnout noch Ehegattensplitting, da ging es hauptsächlich um Nahrungssuche und Fortpflanzung, die allerüberlebenswichtigsten Dinge also.

Und so lernte der Mensch allmählich den aufrechten Gang, fand sich in kleineren Grüppchen zusammen und vergrößerte diese, indem er sich wiederum fortpflanzte. Man teilte sich solidarisch die anfallenden Tagesaufgaben, nur halt weniger nach Talent als nach körperlichen Anlagen. Das gab beim damaligen Tagesprogramm – Jagen, Essen und Fortpflanzen – auch durchaus Sinn.

Die grobschlächtigen Neandertaler kämpften also im Rudel mit dem Mammut, während die etwas kleineren NeandertalerInnen nun mal besser beurteilen konnten, wann das verdammte Biest endlich Medium gebraten war.

Dieses Rollenbild hat sich bis heute kaum geändert. Und wir Männer übrigens auch nicht. Denn Gewalt auszuüben, Kräfte zu messen, andere zu unterdrücken und letzten Endes zu beherrschen war über die Jahrtausende eigentlich immer Männersache. Und während sich die Schlachtenbummler mit der Streitaxt die Köpfe abschlugen, versuchten ihre Frauen, zuhause die Hütte zusammen zu halten und die Kinder lebend durchzukriegen. Und bis vor wenigen Jahrzehnten war diese Rollenverteilung auch durchaus akzeptiert.

Starke Frauen im Wandel der Zeit

Wir haben also gelernt, dass männliche Gewalt durchaus historisch begründet sein kann. Aber ich muss es an dieser Stelle mit den Ärzten halten: „Junge, warum hast du nichts gelernt?“. Denn irgendwie scheint sich dieses „starke Geschlecht“ nach all der Zeit noch immer auf seinen körperlichen Vorteilen auszuruhen und so mancher denkt, alleine die Tatsache, als Mann geboren zu sein, mache ihn zu etwas Besonderem.

Ich muss euch enttäuschen, Jungs! Ihr seid genau wie die Mädchen aus Mamas Becken gekullert. Aus einer Frau! Nur mal so zur Erinnerung. Und deshalb ist Mama heilig und alle anderen sind Schlampen!? War das so gemeint? Lächerlich!

Die Frau hingegen hatte schon immer die Hütte im Griff, sorgte für Ordnung und hielt sich wie selbstverständlich zur Fortpflanzung bereit. Deshalb durfte sie im Laufe der Zeit auch immer mehr: zum Beispiel Sekretärinnen-Jobs machen oder als Stewardess hübsch lächelnd Drinks anreichen.

Freilich variierte das Frauenbild im Laufe der Zeit. Man denke nur an die starken Frauen in den 1920ern, an waghalsige Pilotinnen, furchtlose Abenteurerinnen oder emanzipierte Showstars. All diese Frauen bleiben uns aber deshalb in Erinnerung, weil es einzelne waren, herausragend aus ihrer Zeit, etwas Besonderes und deshalb bemerkenswert.

Häufig genug kam dann allerdings mal wieder der Mann um die Ecke und bombte unsere Gesellschaft bei allerlei Auseinandersetzungen um Macht und Herrschaft wieder zurück auf den Baum. Bis zu den Siebzigern …

Funky Seventies

Im funky Batik-Kleidern begannen die Hippie-Bräute dann schließlich, gegen den ganzen Männlichkeitswahn aufzubegehren. Dazu kam beschleunigend, dass sich die Siebziger-Typen mit Dauerwelle, Blumenhemd und Schlaghosen eigentlich schon selbst disqualifiziert hatten. Und so war der Weg für die Emanzipation der Frau geebnet, den wir im Grunde genommen auch heute noch gehen. Manche Sachen dauern eben etwas länger.

Wohlgemerkt, wir reden hier nicht speziell über körperliche Gewalt, denn die war und ist ja auch unter uns Männern schon immer ein Problem. Und auch hier gilt natürlich: Warum denken manche, daß sie besser sind als andere? Weil sie als Mann in einem bestimmten Land, mit einer bestimmten Hautfarbe geboren wurden und einer bestimmten Religion angehören??? Das ist nicht euer Ernst, Leute!

Der aktuellen #metoo-Bewegung geht es vielmehr um den ganz alltäglichen Sexismus. Hatte sich die Sekretärin in den Fünfzigern nur leicht pikiert gefühlt, wenn der Chef ihr mal wieder einen kleinen, freundschaftlichen Klaps auf den Hintern gab, so verbieten sich die Frauen von heute eben solche plumpen Annäherungsversuche komplett. Kann ich gut verstehen.

Jeder aufdringliche Grapscher sollte einfach mal von einer Horde männergeiler Typen rangenommen werden, damit er lernt, wie sich so etwas anfühlt. Das wäre doch mal lustig! 🙂

Und eigentlich ist es ja auch peinlich: Wenn man eine Frau doch attraktiv findet, dann gibt es eigentlich zahlreiche Möglichkeiten, das Mädel anzusprechen und von sich zu überzeugen. Aber ihr einfach mal ein Kompliment zu ihren geilen Möpsen zu machen, die ja sogar ein Dirndl prall ausfüllen könnten, das ist noch die große, alte Chauvi-Schule des frühen Mittelalters. Der Hashtag damals hieß übrigens #aufschrei.

Was habe ich mich schon fremdgeschämt: Bekannte, die mir vom Beifahrersitz ins Lenkrad greifen, um einer Blondine hinterher zu hupen. Diese ganzen „Hey Puppe“- und „Hallo Süße“-Sprüche und dieser grenzdebile Scheiß, den spätpubertierende Jungs mangels ausgereifter Kommunikationsqualitäten immer wieder so raushauen. Bei vielen vergeht das zum Glück mit zunehmender Lebenserfahrung – allerdings nur bei den Schlauen! Und das ist das eigentliche Problem:

Es gibt einfach zu viele Idioten

Spätestens ab 1971, als auch die lieben Schweizerinnen endlich mal wählen gehen durften, kann man sagen, dass die Frau in weiten Teilen Europas zumindest vor dem Gesetz nicht mehr ganz so fremdbestimmt war. Der aufkommende Feminismus aber, mit der Forderung nach noch mehr Gleichberechtigung, traf das männliche Geschlecht dann direkt in die Klöten.

Nicht nur, dass Mann sich bis dahin auf seinem Mannsein ausgeruht hatte, nein, ihm wurde auch niemals beigebracht, dass irgendwann einmal Argumente wichtiger sein würden als Oberarme. Waren Männer-, Frauen- und Weltbild bis dahin noch relativ akzeptiert, so bedeutete der emanzipatorische Fortschritt nun Probleme für den empfindlich herrschsüchtigen Mann. Er sollte tatsächlich nicht mehr bestimmen dürfen, nur weil er ein Mann ist? Unfassbar!

Ich unterscheide hier ganz bewußt zwischen schlau und dumm. Während für die Schlauen jederzeit die Grundgesetz-Artikel 1 und 3 gelten, ganz generell und ohne nachzudenken, bestehen besonders alte, weiße Männer gerne noch auf die alte Ordnung, die unbedingt verteidigt werden muss. Dazu zählen insbesondere auch viele zugezogene Männer aus anderen Kulturkreisen, denen wir genauso wenig beibringen konnten, was Gleichberechtigung bedeutet, wie unseren eigenen Dummen.

Hau den Lukas

Das Ganze ist aber natürlich kein Problem nur von dumm und dümmer, arm oder ärmer. Wer an den Gel-getränkten Börsenmakler denkt, wie er abends im Club reihenweise die niedlichen, jungen Chicks klarmacht, der weiß, dass sich Chauvinismus, Sexismus und Dummheit durch alle Gesellchaftsschichten ziehen.

Das klingt jetzt natürlich nach Klischee, schon klar. Aber jeder Kerl, der jemals mit anderen Kerlen unterwegs war – besonders im Grüppchen, besonders mit Alkohol – kennt die einschlägige Situation, wenn die Jungs übermütig werden und sich für unwiderstehlich halten. Den Rest besorgt dann der Alkohol, Süße!

Es wird leider noch einige Generationen dauern, bis sich eine gleichberechtigte Erziehung durchgesetzt hat, die Männern grundsätzlich ihren privilegierten Status aberkennt. Solange Spoiler, illegale Autorennen oder Waffenbesitz häufig noch als besonders männlich gelten, darf man nicht allzu viel erwarten. Manche wohnen eben für immer im Neandertal.

Für mich sind richtige Männer jedenfalls solche wie ich :). Und diese Messlatte liegt ziemlich hoch Jungs! Ohne Bildung geht da schonmal gar nichts. Richtige Männer sind auch nicht rücksichtslos, cholerisch oder diskriminierend. Denn Arschloch sein kann jeder. Nett sein ist viel anstrengender. Und Mann sollte auch mehr können, als nur die Reifen zu wechseln. Du musst als Mann einfach alles können, da gibt es keine Ausrede.

Es kann nicht sein, daß ausgewachsene Männer nicht imstande sind, sich ein Essen zu kochen, ihre Wohnung selbst zu putzen oder Wäsche zu waschen. Wer das nicht hinkriegt, kann eigentlich gar nichts. Sind das die, die immer nach Mama geschrien haben, wenn sie was nicht konnten? Dann aber einen auf dicke Felgen machen, ist klar!

Deshalb eine Bitte an euch, Mädels: Lasst den Spackos keine Erniedrigung mehr durchgehen. Ihr wißt genau, wie man einem Mann mit nur einem Spruch die Eier zerquetschen kann, und zur Not kriegt der Depp halt eine gescheuert.

Frau, Bruder, hau rein!

Nun, da ich es mir jetzt mit meinen Mitmännern verscherzt habe, muss ich mich leider auch noch kurz mit der Rolle der Frau dabei beschäftigen…

Es hat ja ziemlich gedauert bis aus der Forderung nach Selbstbestimmung auch tatsächlich ein Aufbruch und schließlich ein Proteststurm wie #metoo wurde. Was muss also passieren, damit sich etwas ändert im gesellschaftlichen Miteinander?

Ich denke, die Frauen müssen noch mehr wie wir Männer denken. Wichtige Domänen des „starken Geschlechts“, wie in der Arbeitswelt, sind bereits gefallen. #Metoo lehrt uns aber, dass es da draußen noch zu viel Rückhalt gibt für Typen, die ihre wie auch immer geartete Machtposition schamlos ausnutzen. Und dass es noch viel zu viele Frauen gibt, die vor Scham lieber im Erdboden versinken, als direkt aufzustehen und sich zur Wehr zu setzen. Euch rufe ich zu: direkt heißt sofort! Sich nach etlichen Jahren im Internet auszuzwitschern, bringt doch eher wenig, oder?

Wie konnte Mutti euch so etwas nur beibringen? Wenn ich als Junge auf dem Schulhof verprügelt werde, gehe ich Kampfsport machen, um mich verteidigen zu können. Jeder schlaksige Hänfling kann ein Lied davon singen. Die Zeiten haben sich definitiv geändert, nicht erst seit den Massenübergriffen auf der Kölner Domplatte. Da muss Frau sich einfach wehren können. Nicht anders als wir angeblichen Nicht-Männer auch, also die Netten, die Nerds, Weicheier und Waschlappen – die Mädchen eben.

It’s not a man’s world!

Meinem Sohnemann werde ich auf jeden Fall beibringen, dass er lediglich die gleichen Rechte hat wie jeder andere Erdenbürger auch. Daß er nicht mehr und nicht weniger wert ist als alle anderen. Das ist die Grundlage, auf der jegliches Gesellschaftsverständnis fußen muss: Alle Menschen sind gleich!

Prinzipiell wissen wir das seit schon seit langem. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung beginnt damit – „We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal“ – und Artikel 1 unseres Grundgesetzes spricht einleitend von der Unantastbarkeit der Menschenwürde. Worunter dann wohl auch Frauen fallen. Oder?

Liebe Damen, ihr seid auf dem richtigen Weg. Macht euch noch stärker. Die Frau muss heutzutage einfach wie ein cooler Bruder werden: schlagfertig, tough und trinkfest, dann wird das schon! 🙂 Auf ein Kölsch, Ladies!

Aber ich würde dennoch vorschlagen, zwischen dem sexuellem Missbrauch als Straftat und Proleten-Gehabe wie dem Arschgrapschen zu differenzieren. Das eine ist ein Verbrechen, das andere eine Scheiß-Erziehung, aber an letzterem kann man arbeiten. Der Rest gehört weggesperrt. Da sind wir uns einig.

Passt auf euch auf,

Euer Papa Tom

 

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