Eine Reformation der Kirche wäre mal wieder ganz gut

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Nature Power ©Andreas Kretschmann/flickr.com

Lesezeit: 4 Min.

Frohen Feiertag da draußen! Was freuen sich alle, dass wir dieses Jahr sogar am Reformationstag freihaben. Nicht, dass uns der Anlass groß kümmern würde, aber nicht arbeiten zu müssen ist doch immer ganz schön. Vor genau 500 Jahren nagelte Martin Luther also seine 95 Thesen an die Tür des Herrn. Der Herr allerdings war darüber alles andere als amused und so nahm ein kranker Konflikt seinen Weg, der bis heute ungelöst bleibt. Aber Hauptsache frei!

Was der alte Luther damals vom Zaun brach, war nichts anderes, als eine Diskussion darüber, was denn nun der „richtige“ Glaube sei und was nicht. Dass Papst Leo X., damals amtierender Community-Manager des Herrn, den besorgten Martin daraufhin aus dem menschenfreundlichen Verein ausschloss, überrascht nicht wirklich, schließlich ging es ja nicht nur um die Deutungshoheit in religiösen Dingen, sondern auch um den Absolutheitsanspruch der eigenen Kirche.

Geldgier statt Nächstenliebe?

Was haben wir also heute von diesen wundervollen Thesen? Gelinde gesagt: außer einer gespaltenen Kirche so gut wie gar nichts! Das liegt wohl daran, dass der Mensch die Religion schon immer als Machtinstrument missbraucht hat: Immer schön vom Wasser predigen, aber mit dem Weinchen in der Hand den Opferstock plündern. Luther schrieb in These 50 dazu: „Wenn der Papst die Erpressungsmethoden der Ablassprediger kennen würde, würde er davon nicht den Petersdom in Rom bauen lassen.“ Und an späterer Stelle tritt er gleich nochmal nach:

„Warum baut der reiche Papst nicht wenigstens den Petersdom von seinem Geld?“

Das waren und sind, nach wie vor, berechtigte Fragen. Man denke nur an den Ex-Bischof von Limburg,  Tebartz-van Elst, der eine große Liebe zu hochwertiger Wohnraumgestaltung entwickelt hatte. Oder an die Finanzierung von Caritas und Diakonie, die trotz kirchlicher Milliardeneinnahmen im zweistelligen Bereich zum größten Teil dem Steuerzahler auferlegt wird. Genau wie bei konfessionellen Kindergärten oder Schulen, zu deren Angeboten dir ohne entsprechendes Glaubensbekenntnis aber trotzdem kein Zutritt gewährt wird – auch wenn du deine Steuern gezahlt hast.

Und auch wenn das gemeine Volk heute nicht mehr so gottesfürchtig ist wie damals und wir weit entfernt sind von dem Unrecht, das den Bauern zu Luthers Zeit von Kirche und weltlichem Adel angetan wurde, so betreiben die Kirchen doch nach wie vor autoritäre Machenschaften, die unserer aufgeklärten Zeit eigentlich nicht würdig sind. Von den zahlreichen Missbrauchsvorwürfen und Vertuschungsversuchen mal ganz zu schweigen, Ihr Unschuldslämmer!

„Du sollst keine anderen Götter haben“

Was ist das denn eigentlich, der „richtige“ Glaube? Gab oder gibt es den überhaupt? Da sind wir schon beim Absolutheitsanspruch, der nichts anderes darstellt als die Ablehnung sämtlicher anderer Religionen. Gewiß, der Kirchengelehrte wird jetzt erwidern, daß damit ja die vollkommene Liebe zu Gott gemeint sei und auf keinen Fall die Abgrenzung zu anderen Religionen. Da das Ganze allerdings ohne weitere Erklärung in Stein gemeißelt wurde, bleibt auch das reine Spekulation. Genau wie Wasserlaufen, Fische vermehren und nach 3 Tagen wieder aufzuerstehen.

Wer also schonmal mit gläubigen Menschen diskutiert hat, wird feststellen, dass viele kein Problem damit haben, dass „glauben“ ja nicht „wissen“ bedeutet. Das war’s dann aber auch schon, denn Wissenschaft ist natürlich trotzdem Müll und der Gläubige an sich ist in seinem Wirken sowieso erhaben. So wie der gläubige Großvater einer Bekannten, der sich partout weigerte, die Hochzeit seiner Enkelin zu besuchen, da die Zeremonie nicht kirchlich vollzogen wurde. Oder die religiöse Tante, die zur Geburt ihres Neffen einen von zwei Scheinen wieder aus dem Couvert nahm, da sie ihr Geld lieber dem Kirchenkreis spendet. Ja, das ist wahrhaftige Nächstenliebe …

Glaubenskrise oder der Anfang vom Ende?

Der „richtige“ Glaube offenbart sich heutzutage eben gerade da, wo zum Beispiel leidgeplagte Abendländer denken, sich von vagabundierenden Muslimen distanzieren zu müssen. Nicht dass wir die letzten Jahre groß zur Sonntagsmesse gepilgert wären für unseren eigenen Glauben, aber WIR haben wenigstens den richtigen Glauben. Nicht wahr? 😉

Wo hilft einem Religion also heutzutage noch? Ich würde behaupten: nirgendwo! Die gesetzgebende Funktion unserer christlichen Gebote wurde schon längst generalüberholt, die größten sozialen Anstrengungen übernimmt der Staat und für den bäuerlichen Seelenfrieden wurde Inka Bause erfunden. Die Religion hat keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft, das hindert die Kirchen jedoch nicht, sich wie besessen an alte Privilegien zu klammern.

Auf der andern Seite erleben wir im Zuge der Globalisierung auch gerade den Untergang des muslimischen Glaubens. Wer sich bisher noch nicht dem Westen zugewandt hat, der versucht ihn mitsamt seiner „Ungläubigen“ (Absolutheitsanspruch!) von der Landkarte zu meucheln. Für uns aufgeklärten Abendlandbewohner ist das zunächst mal ein Schock, soviel Hass im Namen einer Religion zu erleben. Aber machen wir uns nichts vor: Zu Luthers Zeit wurden die Menschen noch viergeteilt oder geköpft – im Namen unserer Kirche. Das haben wir zum Glück hinter uns. Und mit etwas mehr Zeit – vielleicht noch 450 Jahre – werden es Mohammeds Jünger auch begriffen haben.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die Religion an sich steckt wahrlich in der Krise, sie dient oftmals nur noch der Errichtung von Mauern in den Köpfen der Menschen. Wir brauchen heute, dringender als je zuvor, einen Ersatz, eine alternative Erziehung in Menschenrechten und Menschenpflichten, die universell und global gilt. Ansonsten killen wir uns am Ende selbst – noch weit bevor der Klimawandel das erledigt.

Für meinen Sohn Tom wünsche ich mir daher möglichst bald eine Welt ohne Religion, ohne Unterschiede, Hass oder Benachteiligung. Denn wer hat es sich schon selbst ausgesucht, in welchem Kulturkreis er geboren wird? Wer denkt denn tatsächlich, er sei aufgrund von Hautfarbe, Religion oder sonstiger Zugehörigkeit etwas Besseres, als der Mensch auf der anderen Straßenseite? Die Antwort ist einfach: Nur Dummköpfe denken so. Lasst‘ sie uns einfach aufklären, das hat schon einmal funktioniert. Denkt mal drüber nach!

Aber jetzt erstmal schön heidnisch Halloween feiern 🙂

So long,

PS: Ein kleiner Literatur-Tipp zum Thema findet Ihr im Shop: Der Gotteswahn!

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Bildnachweis: Nature Power © Andreas Kretschmer/Flickr.com CC BY-NC 2.0 (Ausschnitt)

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