Quatsch mit Kohle

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Herbst Ahornblatt

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Schönen Sonntag da draußen! Ich hoffe, Ihr hattet ein schönes Herbstwochenende. Ich jedenfalls mag den Sommer lieber und sehne mich deshalb auch insgeheim nach dem warmen Jamaika. Zu befürchten ist allerdings, das der nächste Sommer eher kommt.

Sonst ist also nix los gewesen diese Woche? Man vergisst ja so schnell in all dem Chaos und deshalb frage ich mich auch oft, ob das Chaos nicht doch nur in meinem Kopf existiert. Aber ein Blick in die Sonntagszeitung zeigt mir leider, dass es nicht an meinem kleinen Köpfchen liegt.

Passiert ist natürlich genug in der Welt. Aber während ich hier sitze und mir Chester Bennington sanft „One more light“ ins Ohr säuselt, sauge ich diese depressive Herbststimmung in mir auf und muss feststellen, dass tatsächlich mal wieder kaum etwas passiert ist, was uns auch nur im entferntesten ein Stück weiterbringt – ganz im Gegenteil.

Dank Jamaika-Gestresse haben wir es diese Woche nicht einmal geschafft, einen deutschen Vertreter zum EU-Sozialgipfel nach Göteborg zu entsenden. Soziales, dieses komische Zeug für die einfachen Bürger, wer braucht das schon, wenn man viel günstiger der Braunkohle-Lobby in den Hintern kriechen kann?

Da machen wir also einen Weltklimagipfel in Bonn und das Ding geht zu Ende, ohne dass die Saubermacht Deutschland sich zu überhaupt irgendetwas bekannt hat. Glückwunsch, gut gemacht Leute! Hatten Merkel und Gabriel vor 14 Tagen noch großspurig von einem früheren Kohleausstieg gesprochen, ist mittlerweile – nur 2 Wochen später (!) – klar, dass der einzige Ausstieg derjenige vom Ausstieg sein wird. Den einzigen Erfolg dürften hier mal wieder die Parteispenden-Konten feiern.

Jaja, die Lobbyisten. Siemens schließt Fabriken und will deshalb 7.000 Jobs in Deutschland streichen – trotz Rekordgewinn versteht sich! Die Zeche zahlt am Ende natürlich der Steuerzahler, während der unschuldige Technik-Konzern mit dem Hightech-Image 😉 laut seiner Pressesprecherin darauf hofft, „dass die Gewerkschaft vom Protest zum Dialog finden wird und wir einen Interessenausgleich zustande bekommen.“

Ich würde diesen typisch neoliberalen Wirtschafts-Sprech so übersetzen: „Liebe Siemens-Mitarbeiter, unsere hochkompetente Chefetage hat in den letzten Jahrzehnten nur Bullshit herstellen lassen und wenn die Leute diesen Dreck jetzt nicht mehr kaufen wollen, ist ja wohl kaum unsere Schuld. Also verpisst euch und hört auf, diesem ganzen Gewerkschaftsquatsch nachzuheulen. Wir brauchen jetzt einen Interessenausgleich und das bedeutet, dass ihr eurem Vorstandsvorsitzenden ruhig einen neuen Bentley gönnen könnt!“

Und jetzt zurück auf die Couch, ihr fetten, armen Pro-Sieben-Zuschauer!

Eine schöne Woche wünscht euch

Euer Papa Tom

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