iPhone & Co. – Unser Leben in Produktzyklen

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iPhone Konsum

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Dieser Tage ist es passiert: das liebe iPhone hat sich verabschiedet. Natürlich nicht einfach so. Tom hatte kurz noch den Opa an der Strippe und wollte unbedingt zeigen, wie gut er schon „Hallo“ sagen kann. Als die Verbindung dann abbrach, wurde mein kleiner Berserker richtig sauer und machte das Gerät mit dem Fußboden bekannt. Das Ergebnis: eine neue Spider-App.

Nun steht zum Glück sowieso eine Vertragsverlängerung an und ich beuge mich einmal mehr der Tatsache, dass dem gemeinen Handtelefon meist nur eine begrenzte Zeit auf Erden bleibt. Es ist der natürliche Lebenszyklus dieser digitalen Spezies.

BUY A NEW ONE!

Der Black Friday hat es einmal mehr gezeigt: Es muss nicht immer gleich etwas kaputt sein, um gnadenlos ausgetauscht zu werden. Manchmal reicht einfach schon ein neues Angebot. Dann ist der Schnäppchenjäger wieder in seinem Element und kann sich seiner liebsten Beschäftigung widmen: dem Preis- und Produktvergleich. Hält das Angebot beidem stand, fehlt nur noch der passende Händler und „3…2…1…Meins!“.

Und wie der Black Friday neuerdings die Adventszeit eröffnet, so ordnen Weihnachten, Sylvester, Karneval, Ostern, Fußballmeisterschaften, die Oktoberfestzeit und auch Halloween unseren Jahreskalender neu. Wo früher einmal Jahreszeiten unseren Alltag bestimmten, da hetzen wir heute von Fest zu Fest, Pardon, „Event“. Und alles wird von Jahr zu Jahr größer aufgezogen.

Das Oktoberfest ist ein gutes Beispiel dafür. Irgendjemand hat es doch tatsächlich geschafft, auch dem nördlichsten Flachlandtiroler noch Dirndl und Lederhose zu verkaufen. Und mit freundlicher Unterstützung des bajuphilen Handels feiert nun auch das Nordkap schunkelnd und mit Bierkrug bewaffnet in den Oktober. Und wehe, ihr zieht das gleiche Dirndl nächstes Jahr nochmal an!

Ganz zu schweigen von dem schwarz-rot-goldenen Flaggenmeer, das sich alle zwei Jahre über Deutschlands Fanmeilen und Public Viewings ergießt. Kennt jemand noch ein Produkt, das es nicht in dieser Farbkombination gibt? Eben!

KONSUM IM RAUSCH

Vielleicht ist es der Mangel an Freizeit, der uns glauben macht, wir müssten sofort rennen und alles neu kaufen, wenn solch ein „Event“ ansteht. Und sei es nur der Verkaufsstart eines neuen iPhones. Auch so ein alljährliches Kalender-Highlight, für das man sogar tagelang in der Fußgängerzone übernachtet. Frei nach dem Motto: „Wer ist die Nummer Eins?“.

Wo die Zahl der Kaufsüchtigen steigt, da fragt man sich schon, wie es dazu kommen konnte, dass  uns Geldausgeben oftmals glücklicher macht, als alles andere. Einfachste Bedürfnisbefriedigung oder doch eher die Schnelllebigkeit und Komplexität unseres Alltags, unserer Zeit?

Wenn der Mensch langsam zur Arbeitsmaschine verkommt, dann will eben auch die kurze, verbleibende Freizeit optimal, sprich effizient geplant werden. Und dank flächendeckender Werbung verpassen wir auf keinen Fall den Startschuss zum nächsten Kaufrausch. Solche Konsum-Happenings bestimmen auch deshalb unseren Alltag, weil ja auch noch jedes Medium seinen Senf zu allem geben muss und so den Event-Hype erst recht anfacht.

DER PRODUKTZYKLUS

Grob gesagt, ist mit dieser offiziell Produktlebenszyklus genannten Zeitspanne gemeint, dass ein Gerät irgendwann veraltet ist oder einfach nicht mehr funktioniert. Dann muss ein neues her!

Meist sorgt der wachsende Konkurrenzdruck für regelmäßige Innovationen der Hersteller, manchmal aber auch die Hersteller selbst. Man muss ja nur minderwertige Teile verwenden. Die gehen auch schneller kaputt. Und schwupps, kaufst du das Teil erneut. Das „berühmteste“ Beispiel dürfte wohl jenes Rührgerät sein, dass von einem Zahnrad aus Metall und einem zweiten aus Plastik angetrieben wurde. Die Frage ist dann nur noch, wie genau du den Abrieb berechnen kannst.

Da lob’ ich mir doch die Centennial Bulb. Die älteste Glühbirne der Welt erleuchtet seit fantastischen 117 Jahren beinahe ununterbrochen eine Feuerwache in Kalifornien. Damit hat sie es sogar zu einer eigenen Fangemeinde samt Webcam gebracht. Völlig zurecht, wie ich finde. Da kann sich der Elektroschrott von heute ein Stück abschneiden!

Unser Leben passt sich immer mehr unseren Konsumgewohnheiten an. Mitnichten verbringen die meisten von uns ihre freie Zeit damit, einfach nur in Ruhe die freie Zeit zu genießen, sie mit Freunden oder der Familie zu verbringen. Besonders wenn man Kinder hat, wird die sinnvolle Gestaltung der gemeinsamen Freizeit ein organisatorischer Kraftakt. Und auch hier ist es gut, dass die Freizeitindustrie vorgesorgt hat und uns Denkschwachen allerhand Beschäftigung bietet. Denn Langweile darf auf keinen Fall aufkommen. Dafür ist die Freizeit zu kostbar!

PAPA TOM EIN ANTIKAPITALIST?

Mitnichten! Ich kaufe mir gerne neue Sachen und bin auch immer ganz aufgeregt, wenn ich Preise und Produkte vergleiche und mich dann auf die Neuanschaffung freue. Nur eben dann, wenn ich will. Und wenn mein iPhone nicht gerade „runterfällt“, dann hält das Teil auch mindestens 5 Jahre. Ich brauche die bessere Handykamera einfach nicht, da mein Fotoapparat trotzdem bessere Bilder macht. Und mein Fernseher läuft auch ohne UltraHD ganz gut – obwohl er nicht gekrümmt ist.

Und auch die oft beschworene Customer Relationship der Unternehmen passt mir heutzutage nicht mehr: Ich mag keine längere Beziehung unterhalten zu jemandem, der sein Geschäftsmodell nur auf Lockangebote für Neukunden ausrichtet. Man darf man dann nicht wundern, wenn die Stammkundschaft bei der nächsten Vertragsverlängerung zur Konkurrenz geht. Aber anscheinend ist auch das alles längst mit einkalkuliert.

Und jetzt kauft einfach, was ihr wollt. Hauptsache, ihr kauft und seid glücklich, oder? 🙂

Euer Papa Tom

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