Advent – Der Countdown des Wahnsinns

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Adventskalender2017

Lesezeit: 4 Min.

Hurra, der Advent ist wieder da und läutet endlich die Weihnachtszeit ein. Nun, da wir den Black Friday überstanden haben, startet auch bei uns ganz „traditionell“ das Weihnachtsgeschäft. Oder sollte ich besser vom Weihnachswahnsinn reden? Und traditionell? Naja, ….

Auf alle Fälle sind die Innenstädte wieder festlich geschmückt, alles glitzert und funkelt ganz wundervoll und der süße Duft von gebrannten Mandeln und Glühwein zieht uns wie magisch zum nächstgelegenen Holzhütten-Dorf. Natürlich nur zur Entspannung nach dem Shopping-Wahn 🙂

Ad·vent [atˈvɛnt], der 

(vom lateinischen adventus für „Ankunft“, ursprünglich griechisch epipháneia für „Erscheinung“)

Advent, das ist die Zeit der Ankunft, in der sich die Christenheit auf die nahende Geburtstagsfeier Christi vorbereitet. Der Countdown für Heiligabend sozusagen. Und nicht zu vergessen: Der Advent soll uns auch daran erinnern, dass uns Jesus bald schon ein zweites Mal erscheinen sollen wird – also irgendwann einmal. Gerade deshalb ist es auch besonders wichtig, schon jetzt möglichst viele und vor allem teuere Geschenke zu besorgen, damit der Heiland auch was Brauchbares bekommt, wenn er denn doch mal im Türrahmen stehen sollte.

Nein, ich mag mich jetzt nicht über die unglaubliche Schenkerei auslassen, die jedes Jahr auf’s Neue grassiert und den weihnachtlichen Gedanken konsequent ad absurdum führt. Also der Glaube, anderen etwas schenken zu müssen, um ihnen unsere Liebe zu versichern. Dabei schenken wir oft sogar denjenigen etwas, die wir gar nicht mehr lieb haben wollen.

Friede und Freiheit, Rücksicht, Liebe und Nächstenliebe lassen sich nicht so einfach aus Lego-Steinchen bauen!

Aber was schreib’ ich denn da? Natürlich möchte ich mich über den Weihnachtsshopping-Wahn auslassen.

Black Chrismas Day

Wo früher der erste Advent die Weihnachtssaison eröffnete, macht das heute der gefeierte Black Friday. Nur schon eine Woche früherDas ist die nächste Eskalationsstufe einer immer geizgeileren Rabattorgie. Und dennoch freuen wir uns dennoch tierisch, wenn wir den neusten Elektroplunder für 750 statt 1000 Euro bekommen. Man könnte jetzt zwar sagen, dass wir sagenhafte 250 Euro gespart haben. Man könnte aber auch jenen 750 hinterher trauern, die wir mal wieder für unnötigen Kram rausgeschmissen haben. Der Anfang ist jedenfalls gemacht – es weihnachtet sehr.

Da wir im Jahre des Herrn 2017 den Geburtstag seines einzigen Sohnes leider an einem Sonntag feiern müssen, fällt der Vierundzwanzigste als Shoppingtag für Spätentschlossene leider gänzlich weg. Das bereitet vielerorts natürlich Sorgen, denn meist kommt das Weihnachtsfest ja völlig unerwartet. Und wer einmal gesehen hat, wie viele panische Gesichter an Heiligabend noch kurz vor Ladenschluss durch die dämmernden Gassen huschen und versuchen, auf den letzten Drücker doch noch eine rettende Geschenkidee zu finden, der wird ebenfalls enttäuscht sein, dass die Aufführung dieses Schauspiels 2017 einfach gestrichen wird.

Schenk dir Zeit!

Vielleicht liegt dem ganzen Vorweihnachtsstress aber auch nur schlichter Zeitmangel zugrunde. Weil die Arbeit immer mehr Lebenszeit einfordert, weil wir uns immer mehr abhetzen und kaum noch zur Ruhe kommen. Statt einmal Luft holen zu können, bleiben uns ab jetzt genau noch vier Adventssamstage, um uns dem weihnachtlich leuchtenden Grauen einer überfüllten Innenstadt auszuliefern. Ganz besinnlich natürlich 🙂

Weihnachtsmarkt

Archivbild (leider gibt es dieses Jahr keinen Glühwein am Kölner Chlodwigplatz)

Ein bisschen Ruhe und Entspannung vom Weihnachtsshopping besorgt man sich dann eben mit dem einen oder anderen Glühwein an der Bretterbude. Fünf Euro der Becher, dafür bio… Entspannung ist käuflich.

Und diesen wochenlangen Stress nehmen wir auf uns, weil wir uns eben Ruhe und Entspannung, Liebe und Frieden von einem zweieinhalb-tägigen Fest im Kreise der Familie versprechen, an dem eh’ nur gegessen wird. Und manchmal sogar gestritten.

Aber all das führt dann eben dazu, dass sich der Online-Handel die Hände reibt. Warum sollte sich ein vernünftiger Mensch diesem Stress freiwillig aussetzen, wenn doch alles auch lieferbar ist? So erwartet der Versandhandel dann auch in diesem Jahr wieder unfassbar hohe Zuwachsraten. Bequem halt.

Amazon und der Regenwald

In diesem Zusammenhang ist es übrigens nicht wirklich lustig, dass der weltgrößte Versandhändler sich nach einem südamerikanischen Fluß benannt hat, der durch eine herrliche Tropenlandschaft fließt, die aber leider für die überdimensionierten Versandkartons eben dieses Händlers abgeholzt wird.

Wir werden das Angebot der Versandhändler wahrscheinlich trotzdem annehmen. Weil es so schön einfach und bequem ist. Scheiß auf die Abermillionen von Kartons, die dann auch noch von Millionen Paket-Sprintern befördert werden müssen. Womöglich sogar mit Diesel! Und das ganze nach den Feiertagen wieder en retour… Wahnsinn!

Der Wert der Weihnacht

Auch wenn man nicht an den ganzen kirchlichen Hokuspokus glaubt, so entfaltet Weihnachten bei den meisten Menschen doch immer ein wohliges, ein heimeliges Gefühl. Die Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit, nach der Familie – insbesondere, wenn man diese den Rest vom Jahr nicht so oft sieht. Genau dafür hat Chris Rea Driving home for Christmas geschrieben.

Und genau das ist Weihnachten: Seine Wurzeln zu erkennen und in besinnlicher Ruh’ ein wenig Zeit mit ihnen zu verbringen. Bei gutem Essen, in der gemütlichen Stube zusammensitzen, es sich gut gehen lassen. Sich besinnen, gemeinsam zurückblicken und wieder vorausschauen, neue Allianzen schmieden, Gemeinsamkeit demonstrieren – Familie sein. Besonders in harten Zeiten mag das oft schwierig erscheinen, ist aber eine einmalige Chance zu Weihnachten.

Und die Sache mit den Geschenken? Nun ja, es muss ja jeder selbst entscheiden, für wieviel Plunder er sein Geld ausgibt. Oftmals ist weniger ja mehr. Und ein gemeinsamer Kurztrip – mit viel Zeit füreinander – ist vielleicht ein nachhaltigeres Geschenk als das zehnte Paar Ohrstecker. Nur soviel dazu. Aber um Gottes Willen: Hört auf, jeden noch so kleinen Scheiß online zu bestellen. Die kleinen Läden da draußen wollen auch noch leben!

Ich schlage also vor, wir fangen nächstes Jahr noch früher mit den Weihnachtseinkäufen an, damit wir uns nicht schon wieder so stressen müssen und die Adventszeit endlich mal genießen können.

Uns schon da mehr Zeit nehmen etwa für Leute, die wir sonst nicht so oft sehen. Denn so lecker wie auf dem Weihnachtsmarkt friert man sonst nirgendwo mit seinen Freunden.

Darauf einen Glühwein,

Euer Papa Tom

Falls ihr euch zur Weihnachtszeit in Köln rumtreibt, gibt es hier –> eine Übersicht unserer Kölner Weihnachtsmärkte <–

Und hier –> der kleinste und gemütlichste Weihnachtsmarkt in Köln <– Ganz besonders, wenn ihr mit Kids unterwegs seid.

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