Spooky Mom und der Abenteuerspielplatz

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Abenteuerspielplatz_©lambda_X_flickr

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Es gibt ja mitunter schon seltsame Menschen unter uns Erdenbewohnern, das ist nichts Neues. Bei uns in Köln muss man beispielsweise nur vor die Tür gehen und schon begegnet man den abstrusesten Gestalten. So ist zum Beispiel meine tägliche Dosis an Selbstgesprächen, die ich auf der Straße so mitbekomme, in den letzten Jahren stark angestiegen.

Gut, eine kleine Google-Recherche mit dem Begriff Selbstgespräche führen, versucht mich gerade vom Gegenteil zu überzeugen. Da lese ich doch tatsächlich über 8 Gründe, warum Sie Selbstgespräche führen sollten und knapp dahinter erfährt man von einer neuen Studie: Menschen, die Selbstgespräche führen, sind Genies. Aaaah ja! Vielleicht sollte ich das ja auch mal ausprobieren. Oder was meinst du, Papa Tom?  🙂

Aber Spaß beiseite. Ich finde es immer wieder amüsant, was für unglaubliche Dachschäden manche Leute doch haben. Wenn ihr noch kinderlos seid, dann kann ich euch zur Feldforschung wärmstens den nächsten Spielplatz um die Ecke empfehlen. Besser noch: einen Abenteuerspielplatz! Dort tummeln sich die Helden der Erziehung besonders gerne, liefern ungewollt ungelenke Slapstick-Nummern ab oder hauen die haarsträubendsten Ansichten raus.

Kennste Spielplatz – kennste Deutschland

Diese Erfahrung durfte auch meine geliebte Frau Steffi letzte Woche wieder einmal machen. Um zu kontrollieren, ob die Windel mal wieder vollge***** ist, hatte sie Tom doch tatsächlich MITTEN AUF DEM SPIELPLATZ !!! in die Luft gehalten und an seinem Hintern gerochen. Das geht natürlich gar nicht in Deutschland, und so ist es doch nur allzu verständlich, dass mein herzlos‘ Weib direkt mal einen verkappten Rüffel von der Übermutter nebenan bekommt.

Wie kann man seinem Kind gegenüber nur so respektlos sein! Das ist doch erniedrigend, seinem Kind am Hintern zu riechen! Wir würden das doch auch nicht wollen!

Dann war Spooky Mom auch schon wieder weg. Zurück bleibt Fassungslosigkeit, bei meiner besseren Hälfte und im Nachhinein auch bei mir. Es sind diese Momente im Leben, wo dir die passendsten Sprüche zum In-die-Pfanne-hauen einfach nicht von der Zunge rutschen wollen. Deshalb nehme ich mir hier etwas ausführlicher Zeit. 😀

Abenteuer Elternhirn

Grundsätzlich könnte man das einfach als Spinnerei abtun. Aber irgendwie frage ich mich schon, was die Alte sich denn eigentlich genau vorstellt. Vielleicht habt ihr ja ’ne Idee oder Ähnliches erlebt, dann freue ich mich über eine kleine Aufklärung. Bisher hielt ich das verpönte Windelriechen doch tatsächlich für den Normalfall und bin nun leicht verwirrt.

Ich selbst mache übrigens eine Ausnahme und schaue gleich direkt in der Windel nach. Nicht aus besonderer Vorliebe, sondern weil ich seit meiner letzten Grippe nichts mehr riechen kann und ein warmer Windelpopo eben noch lange kein Indiz für einen Bombeneinschlag ist.

Man hört natürlich allenthalben solche Geschichten von diesen ominösen Helikoptereltern. Da kann ich persönlich nicht mitreden, weil wir solche Exemplare gottlob nicht in unserem Bekanntenkreis haben. Einige wenige, mit leichter Übersorge sind dabei, ja. Ich glaube aber, selbst die riechen an der Windel ihrer Sprösslinge. Das zu bemängeln hat ja auch wenig mit Kontrollzwang zu tun, sondern eher mit einer Art Knalltrauma im Zwischenhirn. Dort sitzen Emotionen und Rationalitäten gefährlich nahe beieinander, was auch eine Erklärung sein könnte.

Also nochmal: Was bitte ist denn in diesem Fall pädagogisch oder politisch korrekt?

Nein, ich glaube es handelt sich eher um die sog. Egalitäre Erziehung, einen demokratischen Erziehungsstil, der die Kinder auf die gleiche Stufe stellt wie die Eltern. Im Fall von Spooky Mom war das wohl genau andersrum. 🙂

Begegnungen der dritten Art

Grundsätzlich ist der Spielplatz schon ein besonderer Ort. Ein Ort, an dem man Menschen näher kommt und ihr Verhalten über einen längeren Zeitraum beobachten kann als auf der Straße im Vorbeigehen. Und so ein Spielplatz ist eben auch ein Biotop für die abenteuerlichsten Erziehungsmethoden. Besonders natürlich die großen Abenteuerspielplätze. Die sind seltener in der Nachbarschaft zu finden und so unternimmt man dorthin auch gerne mal ausgiebigere Spielausflüge über mehrere Stunden. Und mit „man“ meine ich alle! Deshalb ist hier der place to be, wenn es um Feldforschung in Sachen Zukunftsfähigkeiten unseres Landes geht.

Dennoch fällt mir die Schadensanalyse bei Spooky Mom umso schwerer, je länger ich darüber nachdenke. Und noch schlimmer: Ich weiß immer noch nicht, wie man politisch korrekt nachschaut, ob der kleine Wonneproppen sich von etwas Übelriechendem getrennt hat. Ich zähle sie der Einfachheit halber zu jenen gestressten Mütter, die nach außen lieber den schönen Schein wahren. Die dir erzählen, dass zuhause alles supi läuft, ihr Kind keine Macken hat und auch sonst ein stressfreies Engelchen ist. Redet sich’s ein, verdrängt die Wahrheit und vergisst, dass es sonst gar keinen interessiert. Und weil sonst keiner zuhört, brüllen wir’s einfach raus, bei allem, was uns nicht passt. Ungefragt, unerklärt – unverschämt. Scheint ein neuer Trend zu sein.

Papa Tom rät an dieser Stelle dazu, sich mal locker zu machen und alle anderen einfach mal machen lassen. So lange das Kind ganz generell Liebe und Zuneigung bekommt und sich auch noch jemand mit ihm regelmäßig beschäftigt, dann habe ich keine Befürchtungen, dass aus einem kleinen Windelriecher ein rücksichtsloser Soziopath hervorgeht.

Keep cool,

 

Bildnachweis: Abenteuerspielplatz © lambda_X/Flickr.com CC BY-ND 2.0 Ausschnitt

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